(Quelle: Wirtschaftswoche) Gestern wurde Ingo Krauss von der Wirtschaftswoche in die Hall of Fame der Werbung aufgenommen. Ingo Krauss? Ingo Krauss begann 1968 als Trainee bei Young & Rubicam in Frankfurt und machte dort Karriere: 1992 wurde er Europa-CEO und Chairman. Unter seiner Ägide entwickelte sich Young & Rubicam zu einer der führenden Werbeagenturen Deutschlands. Und Ingo Krauss wurde zu einer der prägenden Figuren der deutschen Agenturlandschaft. 1997 wurde Krauss offiziell Non-Executive Chairman bei Saatchi & Saatchi. Mein Non-Executive Chairman. In den folgenden Jahren war Ingo mein Mentor, Ratgeber, Inspirator, Lehrmeister und wurde schließlich zu meinem väterlichen Freund. Insofern war es mir gestern ein besondere Ehre, einen kleinen Teil der Laudatio auf ihn halten zu dürfen. Denn von niemandem habe ich mehr über diesen Beruf gelernt als von ihm, an niemand denke ich häufiger, wenn ich mein eigenes Handeln überprüfe. Deshalb hier meine “Liebeserklärung” an Ingo Krauss von gestern abend:
Lieber Ingo, offiziell warst du mein Non Executive Chairman. In Wahrheit warst du mein Ratgeber, mein Lehrmeister und über Zeit wurdest du zu meinem väterlichen Freund. Dabei habe ich unendlich viel von dir gelernt. Und da wir beide den Sport auch deshalb lieben, weil er so gute Analogien zu unserem Geschäft bietet, habe ich das, was ich von dir gelernt habe, und was mich in all den Jahren geprägt hat, mal in ein paar berühmte Zitate von Sportlern zusammengepackt: Vince Lombardi (ehemaliger Football-Coach der Green Bay Packers): “Wenn es nicht ums Gewinnen geht, warum interessiert sich dann jeder für das Ergebnis?”
Für dich ging es immer ums Gewinnen. Ob bei deinen Privatwetten rund um das Thema Gewichtsabnahme oder im Pitch - verlieren war keine Option. Wenn es doch vorkam, konnte keiner übellauniger verlieren, als Du. Dabei hast Du mir beigebracht, das die Voraussetzung für das Gewinnen Leidenschaft ist. Und das Leidenschaft vorgelebt werden muß. Jeden Tag. Vor Kunden und vor allem vor der eigenen Mannschaft. Vor allem hast Du mir aber beigebracht, daß man Leidenschaft nicht faken kann. Nur wenn du deinen Job wirklich liebst, wird man dir abnehmen, daß du für ihn brennst!
Gary Player (Golfspieler): “Desto mehr ich übe, desto mehr Glück habe ich.”
Für dich war die Beschäftigung mit Ideen für Marken immer 10% Inspiration und 90% Transpiration. Erst kommt der Fleiß, dann der Pitchgewinn, dann der Agenturerfolg. Wer seinen Job nicht perfekt draufhatte, verlor Deinen Respekt. Denn für dich hatten die Marken, für die Du angetreten bist, vor allem eins verdient: Den bestmöglichen Ingo als Markenbegleiter. Und das galt auch für alle anderen im Team Krauss. Dick Ritger (Bowling Champion): “In jedem Sport geht es um Zentimeter.”
Du bist Perfektionist. Und eine perfekte Leistung für eine Marke entsteht aus der Summe vieler Einzelteile, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Zufall? Für dich fast ein Schimpfwort. Auf jeden Fall hast du ihm nie sonderlich viel überlassen. Und da jeder Mitarbeiter der Agentur einen weiteren, vielleicht den entscheidenden Zentimeter beitragen konnte, war für Dich Markenarbeit immer Teamarbeit. Wayne Gretzky (kanadische Eishockeylegende): “Ein guter Eishockey-Spieler ist da, wo der Puck ist. Ein großartiger Eishockey-Spieler ist da, wo der Puck sein wird.”
Dein Anspruch an dich und alle in deiner Umgebung war immer, dem Kunden einen Schritt voraus zu sein. Heute versuchen wir mühselig, uns unsere Beratungskompetenz gegenüber Kunden zurückzuerobern. Für dich war Markenführung im wahrsten Sinne immer Teil deines Selbstverständnisses, immer Teil Deiner Jobbeschreibung an andere. Und dieser Job hatte eben nicht nur mit dem Produzieren bunter Bildchen zu tun, sondern mit dem ganzen Markenkosmos.
Mike Tyson (Boxer): “Jeder hat einen Plan, bis er das erste Mal eins aufs Maul kriegt.”
Wenn alle Pläne, alles Üben, alle Perfektion durch die Realität über den Haufen geworfen wurden, dann bist Du zu Höchstform aufgelaufen. Markenführung war für dich immer eine Frage von Kompaß und Straßenkarte. Die generelle Himmelsrichtung stand fest. Die Straßenkarte, der man zum Ziel folgte, auch. Aber auf der waren keine aktuellen Baustellen, Staus und sonstige Hindernisse eingezeichnet. Und auf die sollte man gefasst sein. Immer. Und dann den besten Weg um das Hindernis entwickeln. Jackie Joyner Kersee (amerikanische Leichtathletin): “Alter ist kein Hinderungsgrund. Es ist nur eine selbstauferlegte Sperre.”
Du hast bis heute keinen Facebook-Account, twitterst und bloggst nicht. Und wärst doch auch heute noch in der Lage, jede Marke durch die turbulenten Social Media-Untiefen zu steuern. Weil Du Marken liebst und die ewigen Gesetze der Markenführung drauf hast wie kaum ein anderer. Weil Deine Leidenschaft für Marken Deine Neugier befeuert hätte, Dich daneben mit jedem aktuellen Trend zu beschäftigen, der Marken hilft, erfolgreich zu sein. Und weil die Kombination aus Wissen und Neugier dafür gesorgt hätte, daß Du gewußt hättest, welcher Sau man tatsächlich durchs Social Media-Dorf hinterherrennen sollte. Und welcher nicht. Du warst nie zu alt, zu erfahren, zu sonst was, um Dein Wissen zu hinterfragen. Und das hat Dich bis heute jung gehalten. Bud Grant ( Ex- Footballcoach der Minnesota Vikings): “Ein erfolgreicher Coach braucht eine geduldige Frau, einen treuen Hund und einen großartigen Quarterback.”
Du hast eine wunderbare Frau, einen Hund, von dem zumindestens Du behauptest, daß er auf Dich hört und du hast viele, unter anderem mich, zumindestens zu besseren Quarterbacks gemacht, als sie es vorher waren. Dafür danke ich Dir heute stellvertretend für alle, die durch Dich besser wurden. Wir alle haben das erlebt, was Jean-Claude Killy, die französische Skilegende einmal so formuliert hat: Jean Claude Killy: “Die beste und schnellste Methode, eine Sportart zu erlernen, ist einem echten Champion dabei zuzuschauen und es ihm nachzumachen.”
Ich habe von einem echten Champion gelernt. Danke fürs Zuschauenlassen, Ingo. Aber die wichtigste Lektion, die ich von Dir gelernt habe, ist gar nicht in erster Linie eine berufliche Lektion, sondern eine für das Leben. Jesse Owens, die amerikanische Leichtathletiklegende hat sie so formuliert: Jesse Owens: Awards rosten, Freunde sammeln keinen Staub an.
Du bist ein Menschenbegeisterer, ein Menschensammler. Ein Netzwerk- und Freundschaftspfleger. Beruflich und privat. Viele Deiner Kunden wurden Freunde. Viele Deiner Kollegen wurden Freunde. Die Neugier auf und das Interesse an neuen Menschen in Deinem Netzwerk ist ungebrochen. Sie haben sich durch Dich inspirieren lassen. Sie haben Dich inspiriert. Deshalb ist es mir heute eine besondere Ehre, Dir hier vor vielen deiner Berufsfreunde diesen Preis überreichen zu dürfen. Und ich hoffe, unsere Freundschaft braucht auch in Zukunft keinen Staubwedel! Meine Damen und Herren, einen großen Applaus für das diesjährige neue Mitglied der Wirtschaftswoche-Hall of Fame: Ingo Krauss!