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Hubertus von Lobenstein hat von Springer&Jacoby über Saatchi&Saatchi bis zu TBWA 23 Jahre meist in Managementpositionen in der großen, weiten Werbewelt zugebracht. Nach zwei Jahren Markenberatungsagentur vonlobenstein mit einem Partnernetz an Spezialisten, um Marken auch im digitalen Zeitalter mehr wert zu machen, ist Hubertus von Lobenstein seit Juli 2011 Partner der Creative Brand Consultancy Aimaq von Lobenstein. Seit 31 Jahren startet Hubertus von Lobenstein als hoffnungsfroher Fan von 1860 München in die Saison und versucht sich zwischendrin mit den Denver Broncos zu trösten. Hubertus von Lobenstein schreibt über Markenführung, Social Media, Nachhaltigkeit und alles andere, was dazu beiträgt, Marken mehr wert zu machen. Ausser hier findet man Hubertus von Lobenstein noch auf Facebook, Twitter, Xing und die Agenturwebsite unter http://www.asberlin.com/

Ideen statt Paragraphen - ein Beitrag zum Urheberrecht.

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Öl ist umsonst. Ich zahle dafür, das es jemand fördert, in Benzin umwandelt und an meine Tankstelle liefert.

Luft ist umsonst. Ich zahle dafür, das jemand sie im Sommer in meinem Büro kühlt.

Wasser ist umsonst. Ich zahle dafür, daß jemand es reinigt, trinkbar macht und an meinen Wasserhahn liefert.

Elektrizität ist umsonst. Ich zahle dafür, daß jemand sie an meine Steckdose liefert.

Ich habe kein Bedürfnis nach Öl, Luft, Wasser oder Elektrizität per se. Ich habe ein Bedürfnis danach, Auto zu fahren, bei erträglichen Temperaturen zu arbeiten, meinen Durst aus dem Wasserhahn zu löschen und das am Samstag zum Champions League Finale der Fernseher funktioniert. Und ich bin bereit dafür zu zahlen, wenn es jemand schafft, diese Bedürfnisse mit einem werthaltigen Angebot zu befriedigen. Dabei gibt es Grenzen. Ist mir Benzin zu teuer, lasse ich mein Auto stehen. Ist mein Strom zu teuer, versuche ich meinen Verbrauch zu drosseln. Da hat jeder so seine Grenzen, definiert durch Lebensumstände und Lebenseinstellungen. Angebot und Nachfrage eben.

Worte, Töne, Bilder sind umsonst. Ich zahle für sie dann, wenn sie so zusammengesetzt werden, daß sie mich inspirieren, informieren, unterhalten etc....

Ich habe kein Bedürfnis nach Worten, Tönen, Bildern per se. Ich habe ein Bedürfnis danach, gute Artikel, gute Bücher zu mich interessierenden Themen zu lesen, die mich bei meiner Meinungsbildung weiterbringen oder mich einfach nur gut unterhalten. Ich habe ein Bedürfnis danach, Musik meiner Lieblingsbands beim Sport, auf langen Autofahrten oder einfach bei der Arbeit zu hören. Ich habe ein Bedürfnis danach, mich von tollen Bildern einfangen, inspirieren zu lassen. Deshalb zahle ich für meine Zeitungen und Zeitschriften, egal ob digital oder analog. Deshalb zahle ich meine Downloads bei iTunes. Deshalb bezahle ich den Besuch einer Richter-Ausstellung, eines Randy-Crawford-Konzerts oder eines Theaterstücks an der Volksbühne. Sie alle befriedigen meine Bedürfnisse mit einem für mich werthaltigen Angebot. Dabei gibt es Grenzen. Ich zahle nicht jeden Heftpreis, jeden Download-Preis, nicht jeden Eintrittspreis. Auch da hat jeder von uns so seine Grenzen, definiert durch Lebensumstände und Lebenseinstellungen. Angebot und Nachfrage eben.

Worte, Töne, Bilder sind umsonst. Im Netz auch dann grundsätzlich, wenn sie mich inspirieren, informieren, unterhalten etc...?

Folgt man der aktuellen Debatte um das Urheberrecht, dann hat man das Gefühl, als ob das oben beschriebene Modell von der bedürfnisgeleiteten Nachfrage, die das Angebot bestimmt, auf einmal nicht mehr gilt. An ihre Stelle tritt eine Diskussion über ein unmoralisches, durch nichts zu rechtfertigendes Nachfrageverhalten und eine dagegen unbedingt zu schützende Angebotsform. Kein Verlag, der nicht lautstark protestiert gegen die kostenlose Verbreitung seiner Inhalte z.B. auf kuratierten News-Services wie z.B. Summify oder Mashable, die damit dann auch noch Geld verdienen. Um dann in ein allgemeines Lamento über “Qualitätsjournalismus” und die schwindende Bereitschaft der Netzbürger, dafür zu bezahlen, einzusteigen und auf die Notwendigkeit schärferer Schranken und staatlicher Kontrolle im Sinne eines schärferen Urheberrechts, sowie politisch legitimierter Bezahlmodelle hinzuweisen.

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Alles sehr verständlich und nachvollziehbar. Aber eben doch eine Verdrehung der Tatsachen. Denn es ist eben nicht so, daß die Lösung wie gefordert darin besteht, bei gleichbleibendem Angebot (weil so toll) einfach mal die Nachfrager zu erziehen und zu maßregeln, in dem man sie per Gesetz zu neuen Umgangsformen zwingt. Sondern sich endlich mal mit der Angebotsseite, also mit sich selbst und der medialen Wirklichkeit zu beschäftigen. Das z.B. hat das Magazin “The Atlantic” getan, eine notorisch jahrelang defizitäre Zeitschrift in den USA. Die Geschichte und die dabei entstandenen Resultate sind hier in der Langfassung nachzulesen: http://mashable.com/2011/12/19/the-atlantic-digital-first/. Zusammengefasst nur soviel: Mit der klaren Marschrichtung “Digital First”, einer geschickten Kombination aus Heft und digitalem Angebot, teils bezahlt und teils kostenlos, erstklassigen Journalisten und gleichzeitig aktiver Einbindung der Lesermeinung ist es “The Atlantic” gelungen, nach Jahrzehnten des verlegerischen Siechtums wieder profitabel zu sein, die Printauflage zu steigern und gleichzeitig millionenfach digitale Leser zu begeistern. Vor allem aber steigt seit Jahren der Werbeumsatz on- wie offline. Und versorgt “The Atlantic” so mit dem notwendigen Kapital, seinen Weg weiterzugehen. Online wie offline. Denn, wie Justin Smith, President Atlantic Consumer Media feststellt:  “The dramatic growth in digital audience has in turn driven demand for the magazine, because so many more millions are now aware of it.” Die haben es offensichtlich geschafft, analog wie digital die Bedürfnisse ihrer bestehenden Leser nach einem der medialen Wirklichkeit angepassten Qualitätsjournalismus zu befriedigen und neue Leser für sich zu begeistern. Auch ohne Urheberrechtsdebatte.

Zugegeben: Das Modell “The Atlantic” ist nicht 1:1 auf andere Titel übertragbar. Aber darum geht es auch nicht. Es geht ums Prinzip. Statt ständig die Urheberrechtskeule Richtung potentiellem Leser zu schwingen, wäre es schön, wenn Verlage dieselbe Energie in ihr Angebot stecken würden, sich also auf veränderte Bedürfnisse einstellen würden. Wenn es z.B eine gemeinsame Plattform aller Verlage gäbe, auf denen die besten Artikel nach Themen kuratiert als Qualitätspresseschau erhältlich wären, wäre ich auch bereit, dafür zu bezahlen. Die diesjährigen Preisträger des Henri-Nannen-Preises ( http://www.henri-nannen-preis.de/preistraeger_2012.php) und ihre Werke haben wieder eindrücklich gezeigt, wofür der Begriff “Qualitätsjournalismus” zurecht steht. Solche Werke, sauber aufbereitet, mit kompetenter Trennung von journalistischem Spreu und Weizen, auch und gerade mit konträren Ansichten Seite an Seite, wöchentlich oder monatlich erscheinend – ich melde mich jetzt schon als zahlender Abonnent an (und spare mir damit viel Sucherei)

Nicht anders ist es mit der Musik. Statt wie Sven Regner, Frontmann von “Elements of Crime” wie wild auf die Gesellschaft, Hörer, Musikjournalisten und das Netz im allgemeinen, also die Nachfrager einzuprügeln ( http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/regener_interview100.html) und in das Urheberrechtslamento einzustimmen, wäre es auch hier besser gewesen, mal in neuen Angeboten und Lösungen zu denken. Und dabei nicht zu vergessen, daß Bands wie die Arctic Monkeys, nicht gerade Pop-Mainstream, erst durch das Netz und im Netz geboren wurden. Plattformen wie z.B. http://talentsplash.com/ bieten längst Plattformen für junge Talente und helfen bei der Vermarktung. Und ich bin sicher, daß es genug Leute gibt, die für den Zugang zu einer Plattform mit den heißesten Talenten auch bezahlen würden. Die Bereitschaft, für Musik aus dem Netz zu bezahlen ist da. Sonst gäbe es heute viele Napsters. Und kein iTunes. Meine “Elemnt of Crime” Titel auf meinem iPod sind jedenfalls alle bezahlt.

Zur Klarstellung: Ich bin für den Schutz künstlerischer Werke und ihrer Erschaffer. Und ich bin sehr dafür, das für gute Arbeit auch gut gezahlt werden muß. Aber was gut ist und was nicht, entscheide immer noch ich. Und ein Song von “Element of Crime” ist gut, wenn er mir gefällt, mein Bedürfnis nach guter Musik befriedigt. Und nicht, wenn Sven Regner ihn geschrieben hat. Und erst dann bin ich bereit, für ihn zu bezahlen. Deshalb wird sich die Netzgemeinde auch nicht nachhaltig von national verabschiedeten Gesetzesverschärfungen schrecken lassen. Aber sie ließe sich durch Angebote begeistern, die in einer neuen medialen Wirklichkeit ihre Bedürfnisse auf neue Art befriedigt. Und diese Begeisterung ließe sich auch nachhaltig in die verdiente klingende Münze umwandeln. Angebot und Nachfrage eben. Ideen statt Paragraphen – wäre mal was Neues!

Erfolg eines liquiden Markenversprechens

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Würden Sie ein Auto kaufen, von dem Sie nicht genau wissen, welche Farbe, welche Motorisierung, welche Innenausstattung es haben wird? Ein Auto, dessen Fertigstellungsdatum auch noch gar nicht feststeht? Und von dem Sie noch nicht einmal wissen, ob es am Ende ein Familienauto wird oder doch eher ein Sportwagen? Ein Auto, dessen Markenname im Automarkt völlig neu ist und dessen Händlerniederlassungen reichlich improvisiert und von Autohaus zu Autohaus ziemlich unterschiedlich wirken? Und die Autoverkäufer so gar nicht auftreten wie Ihr guter alter Herr XY mit seinem vertrauensvoll eingeräumten Rabatt für Stammkunden?  Vermutlich eher nicht!

Würden Sie einen Fernseher kaufen, für den die Bedienungsanleitung demnächst nachgeliefert werden soll? Bei dem Sie nur vermuten können, ob der HD kann, Internet-fähig ist und für alle Ihre Zusatzgeräte zuhause auch die passenden Anschlussmöglichkeiten bietet? Ein Gerät, dass nicht in einem der vertrauten Regale Ihres guten alten Mediamarktes steht, sondern aus dem Kofferraum eines bunten mobilen Verkaufsstands auf dem Wochenmarkt angeboten wird? Von Verkäufern, die noch nicht mal diese schicken Hemdchen in den Markenfarben anhaben? Auch eher unwahrscheinlich!

Und doch können sich im Moment 30% der Deutschen vorstellen, Piraten in die Parlamente zu wählen ( http://www.sueddeutsche.de/politik/die-piraten-auf-dem-weg-zur-volkspartei-1.1333333), 8% haben es gerade in Schleswig-Holstein getan.  Eine Partei, die noch gar nicht weiß, ob sie wirklich eine ist, bzw. sein will. Eine Partei, die zwar weit mehr Antworten hat, als ihr von ihrer immer schriller agierenden etablierten Konkurrenz zugestanden wird, allerdings manchmal gleich mehrere, sich widersprechende, zur gleichen Zeit. Eine Partei, die sich jeder gängigen Markendefinition komplett entzieht: Keine in ein Parteiprogramm gegossene Positionierung. Stattdessen sich “liquid” verändernde Gestalt in Programmatik. Und Protagonisten, die schneller wieder weg sind, als das man sich als verlässliche Anker, als Markengesicht, auf sie einlassen kann.

Erkennbares Markenversprechen? Auf den ersten, irritiert-verächtlichen Blick (kultiviert besonders durch blau-gelb-grüne Brillen) irgendwie so was mit Internet und Transparenz, bedingungslosem Grundeinkommen und Urheberrecht. So was kann doch nur reichen zum kurzzeitigen Protestphänomen, kann nicht, darf nicht ernsthaft die eingekuschelte Berliner Republik stören. Die werden schon noch vom System eingeholt, umgebogen, verschluckt und in die Bedeutungslosigkeit zurückgespuckt. So und ähnlich tönt es dieser Tage aus Talk-Show, Polit-Magazin und an den Stammtischen gleichermaßen.

Erkennbares Markenversprechen? Auf den zweiten Blick Transparenz als Gegenentwurf zur Berliner Republik, deren etabliertes Politikgehabe und -gepränge sich wie Mehltau aufs Land legt. Auf den zweiten Blick fortlaufende politische Teilhabe als Gegenentwurf zu in Berliner Hinterzimmern ausgekungelten Präsidenten. Als Gegenentwurf zu Politikern, die alle 4 Jahre einmal zur Legitimation bitten, um dem dafür benötigten Wahlvolk danach dann konsequent eine Erklärung ihres Handelns in einer zunehmend erklärungsbedürftigen Zeit schuldig zu bleiben. Polit-Valium statt Hallo-Wach-Pille. Transparenz als Gegenentwurf für die Generation “I like”, die jeden Tag in den sozialen Medien immer nur einen Klick von der nächsten Meinungsäußerung in Form gehobener Daumen und RT´s entfernt ist. Und die ihre digitale Welt nicht in der verzopften Parteirhetorik des jetzt hektisch digital erwachenden Polit-Establishments erklärt bekommen will.

Erkennbares Markenversprechen? Transparenz als Einstieg in ein neues Verhältnis zwischen Volk und Staat, Wahlvolk und Politik. Zugegeben: Im Moment ganz viel Prinzip Hoffnung (und manches Fremdeln mit dem Unfertigen, dem Liquiden). Aber eben nicht nur kurzlebiger Protest. Jünger, besser ausgebildet, häufiger selbstständig, digital groß geworden – so sieht reiner Protest nicht aus. Sie als reine Protestpartei der Unzufriedenen abzutun, hieße, den Gestaltungswillen dahinter zu ignorieren. Bezeichnenderweise sind es gerade die Grünen, die besonders arrogant-hysterisch reagieren. Zwar schwer Richtung Establishment gemendelt, aber bisher wenigstens noch mit der moralischen Deutungshoheit derjenigen, die die letzten Kämpfe um das große Ganze ausgefochten haben, sehen sie ihre Felle davonschwimmen. Mutlangen und Gorleben, Protest gegen Springer -  ab sofort digital organisiert. Parlamentseinzug mit Live-Feed, statt Sonnenblumen und Strickpulli.

Würde ich o.g. Auto kaufen? So beschrieben sicher nicht. Was aber, wenn ich Lust auf Autofahren habe und keine Lust auf Auto-Marken, die mich wie selbstverständlich automatisch für sich einplanen, ohne darüber mit mir zu reden? Ohne zu versuchen, mich für sich zu gewinnen? Die an meinen Bedürfnissen vorbeiproduzieren, sie wortreich bewusst ignorieren und mir sogar einreden, dass ich meine Bedürfnisse gar nicht kenne, mich lieber mal auf ihre Interpretation verlassen soll? Und dann davon ausgehen, dass an meiner Kaufentscheidung für sie kein Weg vorbeiführt? Dann sieht´s schon anders aus.

Das ist unvorstellbar? Genau. Denn (Auto-)Marken haben eines gelernt: Ohne Käufer geht es nicht. Und um die zu begeistern braucht es ein Markenversprechen, mit dem man die Köpfe und Herzen der Zielgruppe gleichermaßen begeistert, für sich einnimmt. Und das gelingt nur dadurch, dass man die Welt seiner Zielgruppe kennt, ihre Bedürfnisse versteht und ernst nimmt. Und dabei nie die Marken aus dem Blick verliert, die sich um die selben Köpfe und Herzen bewerben.
Insofern bin ich gespannt, wann die etablierten Parteien wirklich aufwachen: Ohne Wähler geht es nicht. Und die wenden sich in großen Zahlen einem noch ziemlich liquiden, aber offensichtlich hochemotionalen Markenversprechen zu. Zeit, sich mal ernsthaft mit der Piratenpartei, vor allem aber mit der Welt und den Bedürfnissen ihrer Wähler zu beschäftigen und sie ernst zunehmen, statt bemüht-lässig überlegen abzuwinken....

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Die letzten Tage des Internets

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Zugegeben: Die Headline ist ein bißchen sehr apokalyptisch. Und das, obwohl ich selbst hier schon gegen diese ewigen “XY ist tot”- Headlines gewettert habe. Aber sind Sie kürzlich mal im Internet gewesen? Ja? Ist Ihnen nicht auch aufgefallen, dass es da in letzter Zeit ziemlich einsam geworden ist? Und das sich die digitale Welt für immer mehr Menschen überwiegend mobil öffnet und erschließt? Hier mal ein paar Fakten dazu:

  • Laut International Telecommunication Union verbringen die Menschen im Schnitt inzwischen mehr Zeit mit und in mobilen Apps als im Internet ( http://www.itu.int/ITU-D/ict/statistics/ ).
  • Zwischen 2007 und Ende 2012 werden laut Schätzung ( http://blog.flurry.com/bid/80241/Mobile-App-Usage-Further-Dominates-Web-Spurred-by-Facebook ) insgesamt rund 1 Mrd. iOS- und Android-Endgeräte aktiviert sein. Damit wachsen mobile Endgeräte doppelt so schnell wie PC´s im Vergleichszeitraum 1996-2001.
  • Bis heute sind grob geschätzt 40 Mrd. Apps vom AppStore und Android auf Handys und Tablets heruntergeladen worden.
  • Die größte Aquisition von Facebook kurz vor dem eigenen Börsengang war die App-basierte Instagram. Kaufpreis: 1 Mrd. Dollar für eine 12-Mann-Firma ohne bisherigen finanziellen Erfolgsnachweis.
  • Google hat den Preis in seinem Butter- und Brot-Anzeigengeschäft Cost-per-Clicks-Ads um 12% gesenkt.

Die digitale Welt macht mobil, wird mobil, ist mobil. Das Web steht fast schon ein bisschen altbacken daneben und rettet, was zu retten ist. Die neue Welle der Social Media Erfolgsbeispiele denkt, Beispiel Instagram, schon gar nicht mehr über einen Webauftritt nach und geht gleich ganz auf mobile Nutzung als App. Also nicht Web 3.0, sondern Mobile World 1.0? Google, Amazon, Facebook, Yahoo bald obsolet? Nicht ganz so schnell. Alle 4 wachsen. Alle 4 haben große Audiences. Alle 4 haben die Chance und das Geld, auch in der mobilen Welt eine Hauptrolle zu spielen. Allerdings unter 2 Voraussetzungen:


  • Schnelligkeit. In einem Telefonat vor ein paar Tagen mit Investoren verdeutlichte Tim Cook, der neue Apple-Chef, die Veränderungsgeschwindigkeit des Marktes wie folgt “Through the last quarter, I should say, which is just 2 years after we shipped the initial iPad, we’ve sold 67 million. And to put that in some context, it took us 24 years to sell that many Macs and 5 years for that many iPods and over 3 years for that many iPhones. And we were extremely happy with the trajectory on all of those products.” 
  • Wer nicht in dieser Geschwindigkeit denkt, handelt und “mobilisiert”, wird sich schnell neben Zurückgelassenen wie MySpace wiederfinden. Denn jede Lücke,die die heute Großen lassen, wird schon heute irgendwo in irgendeiner Garage, irgendeinem Inkubator technisch geschlossen.


  • Veränderungswille. Facebook stellte kürzlich in einem offiziellen Statement fest: “We do not currently directly generate any meaningful revenue from the use of Facebook mobile products, and our ability to do so successfully is unproven. Accordingly, if users continue to increasingly access Facebook mobile products as a substitute for access through personal computers, and if we are unable to successfully implement monetization strategies for our mobile users, our revenue and financial results may be negatively affected." 
  • Aber allein mit Werbemodellen wird das wohl kaum gelingen. So spekuliert der bekannte Tech-Blogger Hamish McKenzie ( http://pandodaily.com/2012/04/27 web-2-0-is-over-all-hail-the-age-of-mobile/) über mögliche Veränderungen bei Facebook “I suspect that Facebook will try to address that issue [of the shift to mobile] by breaking up its various features into separate apps or HTML5 sites: one for messaging, one for the news feed, one for photos, and, perhaps, one for an address book. But that fragments the core product, probably to its detriment.” Fragmentierung des Produktes bis auf die Grundfesten? Wenn nötig, um in der mobilen Welt dabei zu sein, dann ja. Wer nicht mitspielt, und das schnell, ist raus aus dem Haus.

Und was heißt das für die Welt der Marken? Beantworten Sie zum Start mal folgende Fragen.

  • Ist Ihre Website für mobile Endgeräte optimiert?
  • Benutzen Sie immer noch Flash? (Hinweis: Weg damit, weil für Mobile unbrauchbar..)
  • Denken Sie bei SEM auch über Siri nach? (Hinweis: Sollten Sie, geht nämlich schneller als Google. Und macht mehr Spaß...)
  • Haben Sie einen regelmäßigen Überblick über die neuesten Entwicklungen im Mobilmarkt?
  • Testen Sie im Rahmen Ihrer Markenkommunikation regelmäßig kreative mobile Ansprachemöglichkeiten und entwickeln sich mit dem Markt?
  • Haben Sie Ihren Kunden mal wieder beim “Moment of Truth”, dem Moment, in dem er ins Regal nach Ihrer Marke greifen soll, beobachtet? Und wissen Sie, wie Sie ihn in dem Moment noch einmal mobil bestätigen können? Ihre Konkurrenz denkt schon darüber nach, oder tut es bereits. Zu besichtigen u.a in einem Mediamarkt Ihrer Wahl zwischen den Regalen. Dort werden mit Millionen Werbe-Euro vorbereitete Kaufentscheidungen im letzten Moment mobil noch umgedreht durch mobile Preisvergleiche, Rich Media-Banner oder Ratgeber-Plattformen.

Vor allem aber: Verlassen Sie sich nicht auf Plattformen, lassen Sie sich nicht von Ihnen blenden, nur weil die gerade groß und angesagt sind. Und rennen Sie andererseits nicht jeder neuen Sau durchs Plattformdorf nach, die da durchgetrieben wird, nur weil sie vermeintlich hip ist. Orientieren Sie sich stattdessen an den Megatrends der digitalen Nutzung, dem Konsumenten, dem User. Hören Sie ihm genau zu. Der bestimmt, wo es langgeht. Und der will es in Zukunft vor allem mobil. Die Abstimmung dazu erfolgte bereits s.o. per Download und Handy/Tablet-Kauf.

  Wer mobil nicht bietet, ist mittelfristig raus aus dem Spiel. Auch, wenn er Google oder Facebook heißt. Auch, wenn er heute fast eine Monopolstellung hat. Die ist in Zeiten des rapiden Wandels der digitalisierten Welt lange nicht mehr so fest zementiert, wie einstige Monopole. Ausruhen darauf kann tödlich sein. Sich als Marke darauf zu verlassen auch.

Deichmann, Thomas Strerath und die Dakota-Indianer

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(www.fotocommunity.de/pc/pc/display/3195951)

Bei den Dakota-Indianern galt eine einfache, wie sinnvolle Regel: “Wenn du ein totes Pferd reitest, solltest du absteigen”.
Im Markengeschäft galt mal eine einfache, wie sinnvolle Regel: “Gute Markenarbeit kostet gutes Geld. Auch in Pitch-Situationen”.

Heute gelten im Dakota- und Markenland offenbar andere Regeln:

  1. “Wenn du ein totes Pferd weiterreitest, dann gewinnst du wenigstens das Tote-Pferde-Rennen”. Oder anders ausgedrückt: “Da es auch bei dieser Billigheimer-Anfrage bestimmt wieder genug Verzweifelte gibt, die mitmachen, bleibt meiner Agentur ja gar nichts anderes übrig, als auch mitzumachen”.
  2. “Ob ein Pferd wirklich tot ist, ist eine Auslegungssache”. Oder anders gesagt: “Okay, kein Pitch-Honorar, alle Rechte abtreten usw. Aber der Marketingleiter hat uns bei der Agenturvorstellung so zugezwinkert, der ist echt heiß darauf, mit uns zu arbeiten. Da können wir die Bedingungen getrost annehmen”.
  3. “Wenn du ein totes Pferd reitest, erkläre es einfach zum einzig möglichen Fortbewegungsmittel”. Oder anders gesagt: “Der Kollege XY hat mir gerade auf dem Branchentreff wieder erzählt, das sie als einzige standhaft bleiben wollten. Und dann hat ihm der Kunde erzählt, das alle anderen großen Namen alle umsonst beim Pitch mitmachen (wahlweise: sich auf die Knebel-Konditionen des Einkaufs einlassen). Das scheint mittlerweile Standard zu sein”.
  4. “Wenn du ein totes Pferd reitest, reite weiter und beschuldige dabei die Eltern des Pferdes”. Oder anders gesagt: “Wir würden ja gern standhaft bleiben. Aber der Druck aus dem Network (wahlweise: vom Inhaber, dem CEO, dem CFO) ist so brutal, da müssen wir jede Chance wahrnehmen”.
  5. “Wenn du ein totes Pferd reitest, sag einfach, daß dein Stamm Pferde schon immer so geritten hat”. Oder anders ausgedrückt: “Ich laß mir doch mein Geschäftsjahr (bzw. die Rettung desselben) nicht durch irgendwelche falsch verstandene Branchensolidarität kaputt machen. Hier entscheide immer noch ich, wo wir antreten und zu welchen Konditionen”.


So oder so ähnlich hört sich das seit Jahren an im Marken- und Agenturenland. Gesprochen von den kleinen und großen, den nationalen und Internationalen, den berühmten und weniger berühmten Agenturen. Natürlich nie öffentlich, sondern immer nur im vertrauten Gespräch. Öffentlich wird Solidarität gelobt, mit der Hand auf dem Herzen: “Deichmann-Anfrage? Hab ich sofort abgelehnt! Würden wir nie machen. Frechheit!! Wie kommen die bloß dazu...” Diesmal hat mein sehr geschätzter Kollege Thomas Strerath von Ogilvy es sogar richtig laut öffentlich gemacht, mit Boykottaufruf an den Facebook-Pinwänden der deutschen Agenturlandschaft und gut formuliertem Wutschaum vor dem Mund in der Fachpresse nach dem Motto “Steigt ab, das Pferd ist tot”. So laut war er, daß sich in diesem Fall vielleicht tatsächlich mal keiner mehr traut, sich trotzdem noch in den Sattel zu schwingen.

Nur: Langfristig ändern wird sich nichts. Gar nichts. Letztes Jahr konnten sich noch nicht einmal eine handvoll inhabergeführte Agenturen nach einem Tote-Pferde-Rennen um einen Automobiletat auf eine gemeinsame Haltung für die Zukunft, eine Erklärung, der andere dann hätten beitreten können, einigen. Gründe? Siehe oben. Dieses Jahr heißt das öffentlichste tote Pferd jetzt Deichmann. Und riecht genauso verwest, wie all die anderen, viel zuvielen toten Pferde, auf denen gerade im Verborgenen herumgeritten wird. Aber selbst in der Herde stinken tote Pferde offensichtlich immer noch nicht abstoßend genug, um nicht doch noch einen Reiter zu finden.

Deshalb, lieber Thomas, danke fürs Wutgeheul. Aber bitte jetzt nicht wieder der übliche Ruf nach gemeinsamem Handeln. Solidarität unter Agenturen? Ich war selbst an insgesamt 4 größeren Versuchen beteiligt, sie herzustellen. Ergebnis? Null. Ich bin an der Stelle seit Jahren deshalb nur noch mir selbst und den Marken verpflichtet, für die ich arbeite. Und ich finde das Reiten von toten Pferden (und das Organisieren von Tote-Pferde-Rennen!!) nun mal abstoßend. Aber das ist meine Meinung. Und andere von meiner Meinung zu überzeugen habe ich aufgegeben. Mir reicht es, selbst Dakota-indianer bleiben zu können. Und die sind von toten Pferden eben abgestiegen. Wer weiter auf ihnen herumreitet, ist selbst schuld.
   


 

Über Freundschaft, stille Engel und ein Dankeschön...

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(Quelle: ex-mea-sententia.tumblr.com)

Was der ROI eines Facebook-Freundes ist? Keine Ahnung trotz ungezählter Rechenmodelle. Aber es gibt ein wunderschönes Zitat über echte Freundschaft, dessen Quelle ich nicht mehr weiß, das aber seit Jahren ganz dick unterstrichen in einem meiner Ideenbücher steht: “Freunde sind wie stille Engel, die einem auf der Schulter sitzen und einem die Flügel bewegen, wenn man selbst vergißt, zu fliegen”. Man nimmt sie oft gar nicht als Freunde wahr, die stillen Engel. Schließlich klappt das mit dem eigenständigen Fliegen ja meist ziemlich gut. Aber sie sind da. Im realen Leben und manchmal sogar auch auf Facebook.  Nicht viele, aber die wenigen machen mein Leben unendlich reich. Heute, bevor ich mich für ein paar Tage aus dem Agenturalltag in die hoffentlich stillen Osterfeiertage abmelde, wollte ich mich aus vielerlei aktuellen und weniger aktuellen Anlässen mal bei meinen stillen Engeln bedanken. Ihr wisst schon, wer gemeint ist:

Danke für Eure Verantwortung!

Freundschaft, desto länger sie dauert, erwächst aus dem Verantwortungsgefühl heraus, pfleglich mit ihr umzugehen, sie zu würdigen, sie hochzuhalten. Auch dann, wenn der Freund es einem eben nicht leicht macht, die Freundschaft zu leben. “Freundschaft ist immer angenehme Verantwortung, nie günstige Gelegenheit” (Khalil Gibran).

Danke für Euren Respekt!

Respekt ist das Fundament jeder Freundschaft. Es ist das Anerkennen der Einzigartigkeit und Besonderheit des anderen, seine Bedeutung für einen selbst. Es ist auch das Erkennen und Akzeptieren des Unperfekten im anderen und das Wissen, selbst nicht perfekt zu sein. Und es ist das Anerkennen des Rechts des Freundes, so zu sein, wie er ist, so zu leben, wie er es tut. “Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aber aus dem Respekt” (Daniel Defoe).

Danke für Euer Vertrauen! Und Eure Vergebung!

Nur weil einem Menschen nahe stehen, weil man sie als seine Freunde bezeichnet, handelt man ihnen gegenüber nicht immer richtig. Aber das Vertrauen in die Richtigkeit der Intention hinter all den Fehlern sorgt dafür, das Freunde Fehler verzeihen können. Sie sehen sie als einen Versuch, das Richtige zu wollen und helfen beim nächsten Versuch, auch das Richtige zu tun. Dieses Vertrauen und die Kraft zur Vergebung ist es, die einer Freundschaft Flügel verleiht. “Ältere Freundschaften haben vor neuen hauptsächlich das voraus, dass man sich schon viel verziehen hat” (Johann Wolfgang von Goethe).

Danke für Eure Liebe!

Die Liebe in der Freundschaft ist selbstlos. Sie ist an keine Zielerreichung, keinen Plan gebunden. Sie verlangt nicht, sondern ist da, wenn man sie braucht. Sie bedarf keiner Anträge auf Einlösung, sie kommt, wenn man sie braucht, wenn man sie am nötigsten hat. “Die Sonne sagt nicht zur Erde: Du bist mir etwas schuldig. Und schau dir an, was aus so einer Liebe entsteht: Sie erleuchtet den Himmel!” (Hafez von Persien).

Danke für Eure Verlässlichkeit!

In all den Irrungen und Wirrungen des ganz normalen, prallen Lebens bleiben Freunde verlässlich. Bei sich, erkennbar in ihren Grundmustern, vertraut in ihren Eigenschaften. An ihnen kann man sich festhalten, sie halten einen. Sie halten einen aus.  Aus ihrer Klarheit und Wahrheit entsteht die Kraft, meine Flügel zu bewegen, wenn ich selbst es nicht kann.

Eigentlich richtet sich dieser Dank nur an ein paar wenige Menschen, die ich meine Freunde nennen darf. Aber die hat jeder von uns. Hoffentlich. Und vielleicht animiert es ja den einen oder anderen dazu, über die Osterfeiertage selbst mal wieder über die Engel nachzudenken, die er, ganz still und selbstverständlich auf seinen Schultern mit sich herumträgt. Und ihnen einfach zu danken für ihre Freundschaft. Vielleicht ja mit dem Gedicht von Khalil Gibran über die Freundschaft:

 

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(Quelle: Planet Wissen. WDR)

 

Von der Freundschaft

Euer Freund ist die Antwort auf eure Nöte
Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät
und mit Dankbarkeit erntet.
Und er ist euer Tisch und euer Herd
Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger,
und ihr sucht euren Frieden bei ihm.
Wenn euer Freund frei heraus spricht,
fürchtet ihr weder das "Nein" in euren Gedanken,
noch haltet ihr mit dem "Ja" zurück.
Und wenn er schweigt,
hört euer Herz nicht auf,
dem seinen zu lauschen;
Denn in der Freundschaft werden
alle Gedanken, alle Wünsche, alle Erwartungen
ohne Worte geboren und geteilt,
mit Freude, die keinen Beifall braucht.
Wenn ihr von eurem Freund weggeht, trauert ihr nicht:
Denn was ihr am meisten an ihm liebt,
ist vielleicht in seiner Abwesenheit klarer,
wie der Berg dem Bergsteiger von der Ebene aus klarer erscheint.
Und die Freundschaft soll kein anderen Zweck haben,
als den Geist zu vertiefen.
Und laßt euer Bestes für euren Freund sein.
Wenn er die Ebbe eurer Gezeiten kennen muß,
laßt ihn auch das Hochwasser kennen.
Denn was ist ein Freund, wenn ihr ihn nur aufsucht,
um die Stunden todzuschlagen?
Sucht ihn auf, um die Stunden mit ihm zu erleben.
Denn er ist da, eure Bedürfnisse zu befriedigen
nicht aber eure Leere auszufüllen.
Und in der Süße des Freundschaft laßt Lachen sein
und geteilte Freude.
Denn im Tau kleiner Dinge
findet das Herz seinen Morgen und wird erfrischt.

Tribute to Ingo Krauss in 9 Zitaten

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(Quelle: Wirtschaftswoche)

  Gestern wurde Ingo Krauss von der Wirtschaftswoche in die Hall of Fame der Werbung aufgenommen. Ingo Krauss? Ingo Krauss begann 1968 als Trainee bei Young & Rubicam in Frankfurt und machte dort Karriere: 1992 wurde er Europa-CEO und Chairman. Unter seiner Ägide entwickelte sich Young & Rubicam zu einer der führenden Werbeagenturen Deutschlands. Und Ingo Krauss wurde zu einer der prägenden Figuren der deutschen Agenturlandschaft.

1997 wurde Krauss offiziell Non-Executive Chairman bei Saatchi & Saatchi. Mein Non-Executive Chairman. In den folgenden Jahren war Ingo mein Mentor, Ratgeber, Inspirator, Lehrmeister und wurde schließlich zu meinem väterlichen Freund. Insofern war es mir gestern ein besondere Ehre, einen kleinen Teil der Laudatio auf ihn halten zu dürfen. Denn von niemandem habe ich mehr über diesen Beruf gelernt als von ihm, an niemand denke ich häufiger, wenn ich mein eigenes Handeln überprüfe. Deshalb hier meine “Liebeserklärung” an Ingo Krauss von gestern abend:


Lieber Ingo,

offiziell warst du mein Non Executive Chairman. In Wahrheit warst du mein Ratgeber, mein Lehrmeister und über Zeit wurdest du zu meinem väterlichen Freund. Dabei habe ich unendlich viel von dir gelernt. Und da wir beide den Sport auch deshalb lieben, weil er so gute Analogien zu unserem Geschäft bietet, habe ich das, was ich von dir gelernt habe, und was mich in all den Jahren geprägt hat, mal in ein paar berühmte Zitate von Sportlern zusammengepackt:

Vince Lombardi (ehemaliger Football-Coach der Green Bay Packers): “Wenn es nicht ums Gewinnen geht, warum interessiert sich dann jeder für das Ergebnis?”

Für dich ging es immer ums Gewinnen. Ob bei deinen Privatwetten rund um das Thema Gewichtsabnahme oder im Pitch - verlieren war keine Option. Wenn es doch vorkam, konnte keiner übellauniger verlieren, als Du. Dabei hast Du mir beigebracht, das die Voraussetzung für das Gewinnen Leidenschaft ist. Und das Leidenschaft vorgelebt werden muß. Jeden Tag. Vor Kunden und vor allem vor der eigenen Mannschaft. Vor allem hast Du mir aber beigebracht, daß man Leidenschaft nicht faken kann. Nur wenn du deinen Job wirklich liebst, wird man dir abnehmen, daß du für ihn brennst!

Gary Player (Golfspieler): “Desto mehr ich übe, desto mehr Glück habe ich.”

Für dich war die Beschäftigung mit Ideen für Marken immer 10% Inspiration und 90% Transpiration. Erst kommt der Fleiß, dann der Pitchgewinn, dann der Agenturerfolg. Wer seinen Job nicht perfekt draufhatte, verlor Deinen Respekt. Denn für dich hatten die Marken, für die Du angetreten bist, vor allem eins verdient: Den bestmöglichen Ingo als Markenbegleiter. Und das galt auch für alle anderen im Team Krauss.

Dick Ritger (Bowling Champion): “In jedem Sport geht es um Zentimeter.”

Du bist Perfektionist. Und eine perfekte Leistung für eine Marke entsteht aus der Summe vieler Einzelteile, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Zufall? Für dich fast ein Schimpfwort. Auf jeden Fall hast du ihm nie sonderlich viel überlassen. Und da jeder Mitarbeiter der Agentur einen weiteren, vielleicht den entscheidenden Zentimeter beitragen konnte, war für Dich Markenarbeit immer Teamarbeit.

Wayne Gretzky (kanadische Eishockeylegende): “Ein guter Eishockey-Spieler ist da, wo der Puck ist. Ein großartiger Eishockey-Spieler ist da, wo der Puck sein wird.”

Dein Anspruch an dich und alle in deiner Umgebung war immer, dem Kunden einen Schritt voraus zu sein. Heute versuchen wir mühselig, uns unsere Beratungskompetenz gegenüber Kunden zurückzuerobern. Für dich war Markenführung im wahrsten Sinne immer Teil deines Selbstverständnisses, immer Teil Deiner Jobbeschreibung an andere. Und dieser Job hatte eben nicht nur mit dem Produzieren bunter Bildchen zu tun, sondern mit dem ganzen Markenkosmos.

Mike Tyson (Boxer): “Jeder hat einen Plan, bis er das erste Mal eins aufs Maul kriegt.”

Wenn alle Pläne, alles Üben, alle Perfektion durch die Realität über den Haufen geworfen wurden, dann bist Du zu Höchstform aufgelaufen. Markenführung war für dich immer eine Frage von Kompaß und Straßenkarte. Die generelle Himmelsrichtung stand fest. Die Straßenkarte, der man zum Ziel folgte, auch. Aber auf der waren keine aktuellen Baustellen, Staus und sonstige Hindernisse eingezeichnet. Und auf die sollte man gefasst sein. Immer. Und dann den besten Weg um das Hindernis entwickeln.

Jackie Joyner Kersee (amerikanische Leichtathletin): “Alter ist kein Hinderungsgrund. Es ist nur eine selbstauferlegte Sperre.”

Du hast bis heute keinen Facebook-Account, twitterst und bloggst nicht. Und wärst doch auch heute noch in der Lage, jede Marke durch die turbulenten Social Media-Untiefen zu steuern. Weil Du Marken liebst und die ewigen Gesetze der Markenführung drauf hast wie kaum ein anderer. Weil Deine Leidenschaft für Marken Deine Neugier befeuert hätte, Dich daneben mit jedem aktuellen Trend zu beschäftigen, der Marken hilft, erfolgreich zu sein. Und weil die Kombination aus Wissen und Neugier  dafür gesorgt hätte, daß Du gewußt hättest, welcher Sau man tatsächlich durchs Social Media-Dorf hinterherrennen sollte. Und welcher nicht. Du warst nie zu alt, zu erfahren, zu sonst was, um Dein Wissen zu hinterfragen. Und das hat Dich bis heute jung gehalten.  

Bud Grant ( Ex- Footballcoach der Minnesota Vikings): “Ein erfolgreicher Coach braucht eine geduldige Frau, einen treuen Hund und einen großartigen Quarterback.”

Du hast eine wunderbare Frau, einen Hund, von dem zumindestens Du behauptest, daß er auf Dich hört und du hast viele, unter anderem mich, zumindestens zu besseren Quarterbacks gemacht, als sie es vorher waren. Dafür danke ich Dir heute stellvertretend für alle, die durch Dich besser wurden. Wir alle haben das erlebt, was Jean-Claude Killy, die französische Skilegende einmal so formuliert hat:

Jean Claude Killy: “Die beste und schnellste Methode, eine Sportart zu erlernen, ist einem echten Champion dabei zuzuschauen und es ihm nachzumachen.”

Ich habe von einem echten Champion gelernt. Danke fürs Zuschauenlassen, Ingo. Aber die wichtigste Lektion, die ich von Dir gelernt habe, ist gar nicht in erster Linie eine berufliche Lektion, sondern eine für das Leben. Jesse Owens, die amerikanische Leichtathletiklegende hat sie so formuliert:

Jesse Owens: Awards rosten, Freunde sammeln keinen Staub an.

Du bist ein Menschenbegeisterer, ein Menschensammler. Ein Netzwerk- und Freundschaftspfleger. Beruflich und privat. Viele Deiner Kunden wurden Freunde. Viele Deiner Kollegen wurden Freunde. Die Neugier auf und das Interesse an neuen Menschen in Deinem Netzwerk ist ungebrochen. Sie haben sich durch Dich inspirieren lassen. Sie haben Dich inspiriert. Deshalb ist es mir heute eine besondere Ehre, Dir hier vor vielen deiner Berufsfreunde diesen Preis überreichen zu dürfen. Und ich hoffe, unsere Freundschaft braucht auch in Zukunft keinen Staubwedel!

Meine Damen und Herren, einen großen Applaus für das diesjährige neue Mitglied der Wirtschaftswoche-Hall of Fame: Ingo Krauss!


Die 8 NEIN`s des Agenturerfolgs.

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(Quelle: flickr.com/photos/christianmlau)

Es hat 40 Jahre gedauert, bis 50 Mio. Menschen Radio gehört haben. Es hat 10 Jahre gedauert, bis 50 Mio. Menschen ferngesehen haben. Es hat 5 Jahre gedauert, bis 50 Mio. Menschen per iPod Musik gehört haben. Es hat 6 Monate gedauert, bis 50 Mio. Menschen Youtube-Videos geschaut haben. Es hat 88 Tage gedauert, bis 50 Mio. Menschen auf Google+ ihren Account eingerichtet hatten....

Die Zeiten langsamer Entwicklungen sind vorbei. Jeden Tag erfreut uns die Medienrealität mit neuen Herausforderungen, neuen Ideen, neuen Erfahrungen. Und wir kommen nicht darum herum, sie anzunehmen, uns mit Ihnen zu beschäftigen, sie zu machen. Denn wie Jack Welsh, Manager-Ikone und Ex-Chef von GE so richtig feststellt: “If the rate of change on the outside exeeds the rate of change on the inside, the end is near!”

Mit all den uns scheinbar immer schneller treffenden Veränderungen und der Notwendigkeit, mit ihnen Schritt zu halten, sie sogar vorauszudenken, kommen Fragen. Fragen, die gerade für inhabergeführte Kommunikationsagenturen einer immer schnelleren Antwort bedürfen: Wie sieht das Modell meiner Agentur aus, mit der ich antreten will? Welche Talente brauche ich in meiner Mannschaft, um all diese Herausforderungen zu bestehen? Wie muß ich meine eigene Art zu arbeiten verändern, um die äußeren Veränderungen rechtzeitig zu erkennen? Welches Arbeitsumfeld muß ich meinen Mitabeitern dafür bieten? Für die Antworten zu diesen Fragen gibt es keine Nachschlagewerke, wenig Vorbilder, an die man sich halten kann. Stattdessen heißt es, sich auf sein eigenes Bauchgefühl zu verlassen. Und darauf zu hoffen, daß es funktioniert. Ergebnis: Tägliches Schwanken zwischen Hoffnung und Unsicherheit.

Die einfachste Antwort in Zeiten von Unsicherheit auf all diese Fragen ist immer “JA”: Ja, den Auftrag, den Kunden nehme ich auch noch an. Ja, die Disziplin addiere ich auch noch zu meiner Mannschaftsaufstellung. Ja, auf diese Mitarbeiterbefindlichkeit nehme ich auch noch Rücksicht.....usw. usw. Viel schwerer fällt das “NEIN”. Denn jedes “NEIN” bedeutet ja, etwas auszulassen, es nicht zu machen. Habe ich da nicht vielleicht die entscheidende Chance durch “NEIN” verpasst? Und gerade deshalb ist “Nein” so wichtig. Viel wichtiger als “JA”. Denn es fokussiert, macht erkennbar, sorgt für Eindeutigkeit und Klarheit. Hier deshalb mal 8 aus meiner Sicht wichtige “NEINS” für den Erfolg von Kommunikationsagenturen:

  1. NEIN, für diesen Kunden sind wir nicht die richtige Agentur.
  2. NEIN, für diese Aufgabe haben wir nicht die richtigen Talente/das richtige Know How, um sie optimal zu betreuen.
  3. NEIN, diese Disziplin werden wir nicht zu unserem Angebot dazuaddieren.
  4. NEIN, das ist noch nicht gut genug. Mach es noch einmal.
  5. NEIN, zu unserem Agenturgesetz gibt es keinen Kompromiß. Nicht für die Inhaber. Nicht für die Mitarbeiter.
  6. NEIN, zu unserem Glauben, was Marken erfolgreich macht, gibt es keinen Kompromiß. Aber viele Belege für die Richtigkeit.
  7. NEIN, wir werden unseren Markenkern nicht verwässern. Auch nicht temporär.
  8. NEIN, wir werden unser langfristiges Ziel nicht aus den Augen verlieren, egal wie groß die aktuelle Versuchung auch ist.


Zu diesen 8 “Neins” gibt es ein klares “JA” bei Aimaq von Lobenstein. Sie durchzuhalten fällt schwer, die Versuchung, zu schummeln, lauert täglich und bei jedem Job. Nur: Ohne Konsequenz beim “NEIN” gibt es langfristig auch kein JA beim Erfolg der Agenturmarke.  


30 Social Media-Erfolgsrezepte.

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(Quelle: www.porfl.de/blog/tags/michelangelo/)

Eine kürzlich erschiene Studie von TNS Digital Life, Ergebnis der Befragung von 72.000 Konsumenten in 60 Ländern, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: 50% aller Social Media-Kampagnen bleiben unbeachtet. 57% aller Befragten wollen auf den von ihnen genutzten Plattformen nicht angesprochen werden. Dazu passt das Zitat von Avinash Kaushik, dem Analytics Evangelist von Google: “Social Media ist wie Teenager Sex. Jeder will es machen, keiner weiß, wie es geht. Und hinterher ist man überrascht, das es nicht besser war!”

Dabei gibt es sie, die Erfolgsbeispiele. Die Fords, Cokes, Comcasts, Starbucks, Wholefoods, Home Depots, Dells. Die blühenden Communities. Die Marken, die auf Social Media-Plattformen tatsächlich die Herzen und Köpfe ihrer Zielgruppen nachhaltig erreichen und sie für die Marke begeistern. Die Marken, für die sich die Investitionen in Social Media wirklich rechnen. So stellte Wendy Clarke, SVP Integrated Marketing bei Coca Cola (und damit verantwortlich u.a. für die größte Facebook-Marken-Community), kürzlich fest: “Fans are twice as likely to consume and ten times more likely to purchase than non-fans”.  Und Brian Roberts, Chef der Kabel-Company Comcast jubelt über 13% Verbesserung seiner Kundenzufriedenheit: “Twitter has changed the culture of the company. Giving the customer more power has been amazing for us”.

Was aber unterscheidet die guten Beispiele von den vielen Totgeburten auf den digitalen Friedhöfen? Darauf gibt es nicht die eine, alles erleuchtende Wahrheit, das eine Erfolgsrezept. Jede dieser Beispiele hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Gesetze. Deshalb habe ich immer dann, wenn mir auf der Reise durch die Blogosphäre ein vermeintlich leuchtendes Erfolgsbeispiel untergekommen ist, in meinem Ideen-Büchlein festgehalten, was den Erfolg für mich ausgemacht hat. Warum es mich erreicht. Daraus sind dreißig Sätze geworden, sicher nicht vollständig und nicht geordnet. Eine Liste von 30 Sätzen, hinter denen jeweils mindestens ein, manchmal viele Erfolgsbeispiele in Sachen Social Media stehen. Eine Liste von 30 Sätzen, die ständig länger wird. Weil jeden Tag irgendwo in der digitalen Welt eben doch eine Marke ein neues Rezept findet, Konsumenten für sich zu begeistern.

Meine 30 Social Media-Erfolgssätze

  1.   Einfach ist einfach besser
  2.   Sei persönlich. Und bleib es.
  3.   Nutze deinen Content, um andere besser aussehen zu lassen
  4.   Annahmen sind dazu da, getestet zu werden. Live.
  5.   Mehr beobachten, weniger urteilen.
  6.   Sei ansteckend, enthusiastisch und leidenschaftlich
  7.   Strategisch langfristig, unterhaltend täglich.
  8.   Denke in Beziehung, nicht in Öffentlichkeit.
  9.   Übertreffe Erwartungen.
 10.  Sei ehrlich. Immer.
 11.  Entdecke, was deine Marke wirklich anziehend macht.
 12.  Kenne deine Werte, deine Geschichte. Und lebe sie.
 13.  Unterhalte deine Kunden.
 14.  Mache sie schlauer.
 15.  Löse ihre Probleme.
 16.  Investiere in deine Kunden.
 17.  Lass dich von deinen Kunden inspirieren. Und nimm sie ernst.
 18.  Motiviere andere, deinen Content zu teilen. Geh mit gutem Beispiel voran.
 19.  Schaffe Mehrwert für deine Kunden.
 20.  Lass das Produkt gut aussehen.
 21.  Lass den Kunden gut aussehen.
 22.  Stelle Fragen. Und höre auf die Antworten.
 23.  Lerne, verbessere, erneuere. 24/7.
 24.  Lass dir von deinen Kunden helfen.
 25.  Sei da, wo deine Kunden sind. Sei mobil.
 26.  Sei relevant.
 27.  Schaffe Vertrauen. Und rechtfertige es.
 28.  Sorge für Marken-Erlebnisse. On- wie offline.
 29.  Lerne die Sprache deiner Kunden.
 30.  Bau Erfahrungsnetze oder Interessensgemeinschaften.

Und jetzt bin ich gespannt. Wie lauten Eure Erfolgsrezepte? Macht die Liste länger und besser.....

Stehgeiger oder Geigenstar

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Freitag, 12.1.2007. Ein Mann betritt eine U-Bahn-Station in Washington D.C.: Baseball-Kappe, Sweat-Shirt und Geigenkasten. Es ist die Morgen-Rushhour. Er packt seine Geige aus und spielt 6 Stücke u.a. von Schuhmann und Bach. Eines davon, “Chaconne” von Bach gilt unter Klassikfans als eines der am schwierigsten zu meisternden Stücke der Klassikgeschichte. 43 Minuten dauert sein Spiel insgesamt. Während dieser Zeit laufen 1097 Menschen an dem Mann vorbei. 27 von ihnen werfen ein bißchen Geld in den Geigenkasten. Am Ende sind es 32 $. 6 von den 27 bleiben sogar stehen, unterbrechen, was sie vorhaben und hören dem Spiel zu. Eine Kamera fängt das ganze ein:

Dienstag, 9.1.2007, drei Tage davor. Der weltberühmte Violinist Joshua Bell, 39, ( http://de.wikipedia.org/wiki/Joshua_Bell ), heute unter anderem Musik-Direktor des bekannten Ensembles Academy of St. Martin in the Fields spielt in der ausverkauften Boston Symphony Hall. Durchschnittliche Tickets gibt es für 100 $. Er spielt auf einer 1713 von Stradivari gebauten Geige. Wert: 3,5 Mio.$. Die Zuhörer trauen sich noch nicht einmal in den Spielpausen zu hüsteln.

Was das eine mit dem anderen “Konzert” zu tun hat? Ganz einfach: Auch der Stehgeiger in der U-Bahn-Station war Joshua Bell. Mit genau derselben Geige. Ausgedacht von der Washington Post, um Antworten auf folgende Fragen zu finden: “Do you stop and listen? Do you hurry past with a blend of guilt and irritation, aware of your cupidity but annoyed by the unbidden demand on your time and your wallet? Do you throw in a buck, just to be polite? Does your decision change if he's really bad? What if he's really good? Do you have time for beauty? Shouldn't you? What's the moral mathematics of the moment?” Das Zitat stammt aus dem Artikel des Wahington Post-Journalisten Gene Weingarten, in dem er das Experiment beschreibt und der ihm den Pulitzer-Preis einbrachte ( http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/04/04/AR2007040401721.html ).

Aber auch für Marken stecken in dieser Geschichte Antworten: Nivea hat sein Nivea-Haus in Hamburg, Ritter Sport seine Ritter Sport-Welt in Berlin. Boss hat gerade angekündigt, in ein paar Jahren mindestens 50% seiner Umsätze weltweit in Boss-eigenen Läden machen zu wollen, Apple schafft diese Quote schon heute mit seinen Apple-Stores. Immer mehr Marken merken, daß es in Zukunft nicht mehr ausreichen wird, Produkte “nur” mit einem relevanten und differenzierenden Markenversprechen, umgesetzt in aufmerksamkeitsstarke Markenkommunikation auszustatten. Es geht vielmehr darum, konsequent alle Chancen entlang der Inszenierungskette, der Customer Journey einer Marke zu nutzen, um Markenversprechen in Markenverhalten umzusetzen. Und dazu gehören eben auch der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt. Ohne auch diese Chancen zu nutzen wird aus vermeintlichem Markenglanz schnell trüber Markenalltag und aus dem Geigenstar ein einfacher Stehgeiger.


Der ROI von Stille

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(Quelle: http://www.flickr.com/photos/blech/4976399329/)

Gibt man bei Google den Begriff “ROI Social Media” ein, dann hat man die Auswahl zwischen 49.500.000 angebotenen Links. Da wimmelt es dann von Währungen, Modellen, Berechnungen und Tabellen. Sales, Leads, Clicks, Influence, Engagement, Retweets, Reposts, Kundentreue, Kundenbindung – einig sind sich die 49.500.000 Artikel bei der Frage, wie man denn nun was wie zu bewerten habe vor allem in einem: Nichts genaues weiß man nicht! Und dann folgt meist die völlig richtige Schlußanalyse: Es kommt immer auf den jeweiligen Fall, die jeweilige Marke, die jeweilige Audience an. Hilft zwar nicht wirklich weiter, aber da es allen so geht, bleibt die Marken-Gemeinde wenigstens kollektiv auf hohem quantitativen Erkenntnisniveau verunsichert. Und liest den nächsten der 49.500.000 Artikel in der Hoffnung, doch noch die eine Geheimformel zu finden.

Die Strategie rund um den diesjährigen Grammy, einfach zusammengefasst mit den Worten von Beverly Jackson, der Marketingchefin der Recording Academy: “Wir wollten überall da sein, wo sie (die Fans) sind”. Was folgte, war ein schon Wochen vor dem Grammy einsetzendes Social Media-Feuerwerk auf Facebook, Twitter, YouTube, Instagram, Tumblr, Google und vielen anderen Plattformen. Mit Shazam und Pandora ließen sich die Acts live taggen, Grammy.com und Apps für iPad und iPhone besorgten den Rest mit zusätzlichen Wettbewerben und Hintergrundinformationen vom roten Teppich. Ergebnis: In der Spitze gingen während der Übertragung rund 10.000 Tweets pro Sekunde zum Thema Grammy raus. Insgesamt wurden 3,9 Mio Social Media-Erwähnungen mit explizitem Grammy-Bezug gezählt. Viel hilft viel also als geheime Formel?

Und dann kam Jennifer Hudson und sang den Whitney Houston-Tribute “I will always love you”. Und mit ihr kam die Stille. Zitat Beverly Jackson: “"Once Jennifer hit the stage, all traffic came to a complete stop. People stopped talking and they listened." Kein Tweet, kein Post – Handy und Laptop zur Seite gelegt. Nur hören, sehen, fühlen.

Die Marketing-Bibel sagt: Es fängt mit Aufmerksamkeit an. Und die wird beim Thema Social Media gemeinhin in Tweets, Posts u.ä. Währungen gemessen. Keine Tweets, keine Posts?  Dann ist es auch nicht aufgefallen, vorbeigesegelt an der Audience wie ein Segelschiff bei Nacht. Das Leben sagt: Es fängt mit Aufmerksamkeit an. Ungeteilter Aufmerksamkeit. Ungeteilter Hingabe. Keine Tweets, keine Posts? Einfach ein Zeichen dafür, das Menschen wichtigeres zu tun haben. Nämlich den Moment, der ihnen bereitet wird, zu genießen. Unablenkbar. Ungeteilt. Im wahren Leben. Unvergeßlich.

Können Marken solche Momente schaffen? Mit kreativem Mut und Gefühl für die Audience ganz sicher. Kann diese Art von Stille zur wichtigen Währung für Social Media, zum Ziel einer Kampagne, zum Maßstab für besonderen Erfolg, zum ROI werden? Angesichts von 49.500.000 alternativen Angeboten, allesamt besser auf Powerpoint darstellbar, wohl eher nicht. Schade eigentlich, oder?